LOOCK: Wohnmaschine Archive

Gavin Tremlett - The Hobby




Gavin Tremlett, Ausstellungsansicht Wohnmaschine, 2006


 

10. November 2006 - 13. Januar 2007

 

 

Wir freuen uns, die erste Einzelausstellung von Gavin Tremlett (*1977) in der Wohnmaschine zu präsentieren.

Die aktuelle Werkserie des britischen Malers besteht aus einer Reihe verstörender Portraitdarstellungen.

Mit einer Manier, die an die italienische Malerei des späten 16. Jahrhunderts erinnert und in seinen Verzerrungen an die Tradition Francis Bacons anknüpft, visualisiert Tremlett eine Körperlichkeit, die sowohl stark sexuell aufgeladen ist als auch eine Tendenz zum Unheimlichen besitzt.

 

Tremletts Interesse gilt vorrangig dem malerischen Prozess, den er anhand des menschlichen Körpers studiert. Seine Ganzkörperportraits und Studien adoleszenter Männer- und Frauenkörper präsentieren sich vor einem undefinierbaren Hintergrund. Körperhaltung und Posen seiner Protagonisten sind grotesk überzeichnet und die jungen Gesichter wirken deplaziert und verloren. Trotz der manierierten Nacktheit sind die Figuren jedoch weniger Ausdruck eines subtilen Erotizismus sondern verströmen vielmehr eine Athmosphäre intimer Verstörung.

 

Stilistisch orientiert sich Tremlett an historischen Vorbildern wie z.B. Caravaggio, an fotografischen Por-nodarstellungen verschiedener Jahrhunderte und an zeitgenössischen Hochglanzmagazinen, die der Ausstellungstitel THE HOBBY ironisch sarkastisch kommentiert.

Basierend auf den Techniken der Hell-Dunkel-Malerei Caravaggios und den Effekten des Chiaroscuro treten Tremletts gemalte Körper plastisch hervor. Sie scheinen dabei aus sich selbst heraus zu leuchten und konfrontieren damit den Betrachter unmittelbar mit ihrer Präsenz. Mit der bewußt provokanten Inszenierung seiner Figuren befindet sich Tremletts Malerei zwischen Vulgarität und einer Sehnsucht nach Figuration.

 

Tremletts Serie der Portraitköpfe - fiktive Gesichter, die er mit unzähligen Lasuren bearbeitet und Schicht für Schicht deformiert - sind pointierte Anti-Thesen zu Schönheitskonventionen und gängigen Idealgesichtern und verstehen sich als bewußt gesetzte, ästhetische Regression.

 

Geradezu konträr zu der Akribie mit der Tremlett an der Verstofflichung seiner Bildgegenstände arbeitet, beinhaltet die Gestaltung des Bildhintergrundes das Moment der Auflösung. Dort wo die Körper durchscheinend und immateriell werden, verwandeln sie sich in Flächen abstrakter Malerei. An der Schnittstelle von inszeniertem Körper und Blick stellt sich dem Betrachter die Oberfläche des Köpers und die Flächigkeit der Malerei als Projektionsfläche entgegen.